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SRF Schweizer Radio und Fernsehen

eSport mehr als ein Lückenfüller in der Corona-Krise

Jan Paetzold (Bereichsleiter Digital)

Digitale Tools geniessen aufgrund der Corona-Krise einen starken Aufschwund. So erhält auch der eSport aktuell mehr Aufmerksamkeit. Wie der virtuelle Sport bei SRF aufgenommen wird und ob er es ins Fernsehprogramm schaffen wird beantwortet Jan Paetzold, Bereichsleiter Digital bei SRF Sport.

Wie involviert ist das SRF im eSport? Hat Schweizer Radio und Fernsehen zum Beispiel einen eSport Verantwortlichen?
Jan Paetzold: Nein, aber das haben wir auch nicht für den Fussball. Das Thema eSport ist beim SRF Sport genauso ins Tagesgeschäft eingebunden wie alle anderen Sportarten auch. Wir berichten über aktuelle Ereignisse und das immer dem Nachrichtenwert entsprechend. Dazu streamen wir punktuell Events im eSport. Ausserdem bearbeiten wir das Thema eSport in enger Zusammenarbeit mit der Fachredaktion Digital, die weitere Facetten abdeckt, zum Beispiel auch das private Gaming.

Wie stellt sich das SRF auf die neue Situation ein, dass immer mehr Vereine und Ligen ihre eSport-Aktivitäten jetzt in der Krise verstärken?
Jan Paetzold: Wir sind wie immer offen für eSport-Aktivitäten. Die Qualität der Übertragungen und der Stellenwert der Sportevents sind aber auch in der Krise relevant. Wir halten auch unter den derzeitigen speziellen Umständen an unseren Massstäben fest. In der Liveberichterstattung fokussieren wir auf eSport-Events, die nahe am klassischen Sport angesiedelt sind. Dazu gehören etwa Simulationen im Fussball, Eishockey und der Formel 1 oder auch sportnahe Disziplinen wie die Rocket League, in der Autos Ball spielen. Ego-Shooter sind zu weit weg von unserem sonstigen Sportangebot. Das wird bei SRF Sport weder gesucht noch verlangt. Was sich derzeit ändert, ist das Angebot. Wir stellen eine grosse Bereitschaft fest, in dieser aussergewöhnlichen Situation eSport-Aktivitäten umzusetzen und Themen anzupacken, die sicherlich schon länger im Keller schlummerten.

Wird aufgrund der Ausfälle von Sportveranstaltungen (temporär) eSport im Fernsehen zu sehen sein?
Jan Paetzold: Der Ausspielkanal ist zweitrangig. Auf unseren Onlineplattformen sind ohnehin immer alle Sportevents zu finden. Das heisst: Digital offerieren wir das komplette SRF-Sportprogramm. Ob ein Event auch im Fernsehen läuft, entscheiden wir anhand von einigen Faktoren – auch, weil der Platz im TV begrenzt ist. Wir fragen uns etwa: Welche Events finden gleichzeitig statt und wie hoch ist das Zuschauerinteresse für die einzelnen Events? Und welche Zielgruppe wird anvisiert? Aktuell gibt es für eSport aus dem Sportbereich zwangsläufig keine Konkurrenz um Sendeplätze. Das ist derzeit also nicht die Frage. Aber welches Angebot will das Publikum im TV sehen? Wenn die Zielgruppe wenig Interesse am Medium TV hat, werden wir das mit einzelnen Programmierungen nicht ändern können. Die Userinnen und User bleiben den digitalen Plattformen treu. Und wenn wir einen Event fürs TV umsetzen, muss dieser auch dem Medium entsprechend umgesetzt werden. Das ist die grosse Aufgabe.

Wird eSport womöglich so doch gesellschaftsfähig für die breite Masse der Bevölkerung?
Jan Paetzold: Die Entwicklung zielt schon länger in diese Richtung. Es ist sicherlich auch eine Generationsfrage. So wie jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer weniger Interesse haben an einigen klassischen Sportarten, hat manch älterer Sportfan einen geringeren Bezug zum eSport. Aber irgendwann kommt wohl auch die Generation, die bereits mit den Eltern in die Halle oder ins Stadion gegangen ist, um das Finale von League of Legends oder den eWorld Cup zu sehen. Warum nicht? Das wird sich entwickeln. Ob eSport dereinst so gross wird wie aktuell Fussball, Eishockey oder Tennis, ist wieder eine andere Frage. Die Corona-Krise wird daran allerdings nicht grundsätzlich etwas ändern. Die Entwicklung wäre auch ohne das Coronavirus positiv verlaufen. Darum wird eSport mehr als der Lückenfüller sein, der in Zeiten der Krise eine willkommene Alternative war. Möglicherweise gibt es jetzt aber einen kleinen Schub, weil mehr Leute Kontakt mit eSport haben – Kontakt, der ohne die Krise nicht zustande gekommen wäre.

Hat der eSport eine Zukunft bei Schweizer Radio und Fernsehen?
Jan Paetzold: Ja. Die hatte er aber immer. Wir berichteten gestern und wir berichten heute über eSport – und wir werden das auch zukünftig machen. SRF Sport berichtet über Schweizer Spitzensportlerinnen und -sportler sowie über nationale und internationale Topevents. Das gilt auch für den eSport.

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Jan Paetzold (Bereichsleiter Digital)
Mail: Jan.Paetzold@srf.ch
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